Sprungmarken

Der Ramboux-Preis 2010. Ausstellung mit Werken der Preisträgerinnen Nicole Ahland und Judith Röder

28. August - 25. September 2011

Nicole Ahland: exspectare # 11, 2010, im Besitz der Künstlerin
Nicole Ahland: exspectare # 11, 2010, im Besitz der Künstlerin

Der Ramboux-Preis der Stadt Trier 2010 ging zu gleichen Teilen an die Fotografin Nicole Ahland und die Glas- und Videokünstlerin Judith Röder. Kulturdezernent Thomas Egger eröffnete am Sonntag, 28. August die mit der Auszeichnung verbundene Sonderschau.

Die in Trier geborene Nicole Ahland (* 1970) hat sich bereits als Fotografin etabliert. Bekannt ist sie für Aufnahmen menschenleerer, in diffus nebeliges Licht gehüllter Innenräume. Dabei geht es Ahland weniger um ein Abbild der Realität, als vielmehr um eine Verfremdung ihres Umfelds, das sie im wahrsten Sinne des Wortes in ein anderes Licht taucht. Meisterhaft gelingt es ihr, den Fotografien eine zweite Ebene zu verleihen. Der Betrachter spürt, dass einst Leben in den Räumen stattfand, die aber nun verlassen daliegen. Themen wie Vergänglichkeit und Entschleunigung werden sichtbar gemacht.

Im Stadtmuseum Simeonstift zeigt Ahland neue Arbeiten, die im vergangenen Jahr in St. Peter in Köln entstanden. Ihrem Stil ist sie treu geblieben: wieder sind es eigentümlich beleuchtete Innenräume, die sie als Motiv wählt. Doch die Lichtverhältnisse sind jetzt extremer: entweder in radikal gleißendes Licht getaucht, erscheinen manche der Aufnahmen beinahe in monochromem Weiß. Nur schemenhaft sind Raumecken, Fenster oder Nischen angedeutet. Andere Motive dagegen sind deutlich dunkler. Aus dem fast komplett schwarzen Grund treten kontrastreich helle Lichtpunkte hervor. Vereinzelt ist ein Fensterkreuz oder eine Türöffnung zu erkennen, der Rest ruht im Dunkeln. Die Bilder wirken schon beinahe abstrakt, Formen in schwarz und weiß, losgelöst von einem Objekt.

Reduktion und Licht-Schattenwirkungen spielen auch im Werk der in Daun geborenen Judith Röder (* 1981) eine große Rolle. Sie arbeitet mit Glas, einem in der Kunstwelt eher ungewöhnlichen Werkstoff. Was sie an diesem Material fasziniert, ist seine Ambivalenz: durch Glas kann man sehen, aber nicht greifen. Es gibt den Blick, aber keinen Weg frei, ist damit Öffnung und Trennscheibe zugleich.

In der Ausstellung präsentiert Röder Glasreliefs, Glaszeichnungen und Glas-Video-Installationen. Besonders spannend sind die Kombinationen von flüchtigen, nicht greifbaren Projektionen auf schwere Glasplatten, also der Gegensatz von Festem und Ephemerem. Ihre Arbeit „Pli“ zeigt schemenhaft das Video eines Bettlakens, unter dem sich ein Mensch bewegt. Die lichten Bilder projiziert Röder auf verformtes Glas, deren unregelmäßige Oberfläche die Abdrücke wiedergibt, die man morgens nach dem Aufstehen auf einer Bettdecke hinterlässt. Der Aspekt der Zeit spielt hier hinein: Es ist die Wahrnehmung von Leere, das Zurückbleiben von Spuren, die die Abwesenheit eines Menschen kennzeichnet. Die Falten des Tuches erscheinen wie eine plastische Zeichnung, die von der Bewegung einer Person ausgelöst wurden. Sie sind Zeichen von Aktivität, ein Resultat aus dem Wechsel von Stillstand zu Bewegung, von Bewegung zum Stillstand. Doch dieser Prozess ist jetzt abgeschlossen, die Zeit ist stehen geblieben, der Moment erstarrt und fixiert Darin findet sich eine Parallele zum Material Glas. Durch das Schmelzverfahren wird heiße Masse in Bewegung gesetzt, fließt, lässt sich formen und festigt sich wieder. Glasreliefs mit eingefrorenen Textilabdrücken zeugen in der Ausstellung von diesem Vorgang.

Die Abwesenheit des Menschen, Stillstand und die vergehende Zeit sind sowohl bei Ahland als auch bei Röder Thema. Beide beschäftigen sich mit Fragen der Vergänglichkeit, finden dafür aber vollkommen andere Ausdrucksformen. Erstmals werden diese beiden außergewöhnlichen Künstlerpositionen gemeinsam in einer Ausstellung gezeigt. Die Gegenüberstellung der jungen Künstlerinnen ist eine überaus spannende Konfrontation und symbiotische Ergänzung zugleich.

 
Bildergalerie
  • Judith Röder: Fenster - Projektion II, 2011, im Besitz der Künstlerin