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Max Lazarus. Trier - St. Louis - Denver. Ein jüdisches Künstlerschicksal

21. März - 27. Juni 2010

Max Lazarus, Ohne Titel, um 1950, Privatsammlung
Max Lazarus, Ohne Titel, um 1950, Privatsammlung

Max Leon Lazarus wurde am 12. Juli 1892 in Trier als Sohn einer jüdischen Familie geboren. Sein Vater, der eine Kohlenhandlung betrieb, gab seinen Sohn zunächst bei einem Anstreicher in die Lehre. Nach dieser Lehre besuchte Max Lazarus die Malklasse von Prof. August Trümper an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Trier. Zwischen 1910 und 1911 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf, die kurz zuvor von Peter Behrens reformiert worden war. 1911 hielt er sich in München und Insbruck auf, danach ging er nach Weimar, wo er die Kunstgewerbeschule unter Henry van de Velde besuchte.

Im Ersten Weltkrieg wurde er als Soldat unter anderem an der Westfront ein- gesetzt. Nach seiner Rückkehr nach Trier eröffnete er einen handwerklichen Malerbetrieb, widmete sich aber auch weiterhin seiner künstlerischen Tätigkeit. 1920 gehörte er zu den Mitbegründern der Trierer Künstlergilde und beteiligte sich an mehreren Ausstellungen in Trier und der Region. Dennoch betrachtete er seine künstlerische Ausbildung noch nicht als beendet und besuchte 1921 die renommierte Reimann-Schule in Berlin. Dort war er Schüler von Georg Tappert, einem der wichtigsten Maler des deutschen Expressionismus. Eine sehr erfolgreiche Einzelausstellung machte ihn 1930 auch in Luxemburg bekannt. In dieser Zeit schuf er beeindruckende expressiv-realistische Gemälde und Lithographien mit Motiven seiner Heimatstadt und der Region um Trier.

Zusätzlich war Lazarus auch überregional als Synagogenmaler tätig. Nach der erfolgreichen Ausmalung der Merziger Synagoge folgten Aufträge in Trier, Neu-magen, Langen/Hessen, Herford, Lübbecke/Westfalen, Homburg/Saar, Thalfang und Wuppertal-Elberfeld. All diese Gebäude wurden während der Reichspogromnacht im November 1938 beziehungsweise während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört. Da Lazarus als Jude nicht in die nationalsozialistische Reichskulturkammer aufgenommen wurde, durfte er nach 1933 nicht mehr offiziell als Künstler in Erscheinung treten. Er arbeitete als Anstreicher und malte - mehr oder weniger im Geheimen - Schnellporträts in der Trierer Fußgängerzone, um den Unterhalt für seine Familie zu sichern.

Seine Freunde drängten ihn, zu emigrieren, aber er wartete bis September 1938, bevor er mit seiner Familie in die USA floh. Wie die meisten Juden in Deutsch-land glaubte er nicht, dass etwas so Schreckliches, wie der Terror, der dann folgte, jemals in einer zivilisierten Gesellschaft geschehen könnte. Im November 1938 durch die Nazis geschändet, wurde die Trierer Synagoge bei einem Bom-benangriff 1944 in Flammen gesetzt und brannte völlig aus. Seine Wandmalerei wurde dabei zerstört, ebenso wie auch die meisten seiner anderen Arbeiten entweder den Nationalsozialisten oder dem Krieg zum Opfer fielen. Drei seiner Schwestern und ein Onkel wurden in Lodz, Sobibor und Auschwitz getötet.

In den USA ließ Max Lazarus sich zunächst in St. Louis nieder, wo andere Familienmitglieder bereits seit 1909 lebten. Seinen Lebensunterhalt verdiente er damit, Möbel zu bemalen und Tapetenmuster zu entwerfen. 1939 wurde eines seiner Gemälde in die künstlerische Auslese des Staates Missouri zur Präsentation auf der Weltausstellung in New York ausgewählt. Max Lazarus wurde Mitglied der St. Louis Artists' Guild und nahm zwischen 1939 und 1942 an mehreren Ausstellungen im St. Louis Art Museum teil. Eine erste Einzelausstellung fand 1940 in der Young Men’s Hebrew Association statt.

Obwohl es ihm zunächst gelang, in den USA eine neue Karriere zu starten, erwartete ihn schon der nächste Schicksalsschlag: Vermutlich als Folge seiner im Ersten Weltkrieg geschwächten Gesundheit zog er sich eine Tuberkuloseerkrankung zu. Aus diesem Grund musste er 1942 von St. Louis nach Denver umziehen, das damals berühmt war für seine saubere Luft und als Zentrum für die Heilung von Lungenkrankheiten galt. Er wurde in das Sanatorium der Jewish Consumptive Relief Society eingewiesen (heute Sitz des Rocky Mountain College for Art and Design).

Nach seiner Heilung wurde Max als Kunstlehrer im Sanatorium eingestellt. Er nahm an verschiedenen Ausstellungen in den USA teil, meistens mit Holzschnit-ten oder Drucken. 1954 kam er noch einmal nach Trier zurück, musste aller-dings wegen gesundheitlicher Probleme vorzeitig in die USA zurückkehren. Nach langer Krankheit starb er 1961 in Denver.

Alex Murphree: Max Lazarus earns High Honor for Lithographs and Woodcuts Denver Post, 25.3.1951:

“... We first met Lazarus perhaps four years ago and knew his work then chiefly by his paintings, brilliant and even brutal in color, expressive in design, hinting at social comment but not bludgeoning the viewer with idea. We thought and still think that they are among the finest paintings being done in Denver and it has been a source of recurrent surprise that they have not appeared in many of the local and regional shows. [...]

 
Bildergalerie
  • Max Lazarus (1892 Trier - 1961 Denver)
  • Max Lazarus: Blick durch ein Fenster der Porta Nigr auf St. Gangolf, 1926
  • Blick auf Trier, um 1925, Stadtmuseum Simeonstift Trier
  • Max Lazarus, Ohne Titel, um 1950, Privatsammlung